Heute habe ich ein weiteres Kapitel aus meinem unveröffentlichten
Buch „Sagenhaftes Wittelsbacher Land“ für euch.
Im Wittelsbacher Land zog in der alten Zeit am Palmsonntag
nach dem Vormittagsgottesdienst die Hüterin des Dorfes, »d`Einmacharin« (Seelennonne,
Leichenfrau) von Haus zu Haus. Sie forderte sich den ihr zustehenden Tribut
ein, in Form der herrlich mundenden und duftenden Schmalznudeln.
Von den Fastenmärkten, die damals von Jung und Alt besucht
wurden, brachten die männlichen Dienstboten den weiblichen Brezen mit. Dafür
bekamen sie dann im Gegenzug von den Mädchen an Ostern gefärbte Ostereier
geschenkt. Denn es war Sitte, dass dafür am Ostersonntag die »Oberdirn«, am
Ostermontag die »Unterdirn« und am Dienstag das »Madl« sämtliche Hühnernester
ausnehmen durften und die Eier behielten.
Eine besondere Bewandtnis hatte es mit rotgefärbten Eiern.
Bekam einer der Knechte ein rotes Ei heimlich zugesteckt von seiner Angebeteten
oder beim Fensterln geschenkt, hatte er gute Aussichten, dass sein Werben
erhört werden würde.
Ein bis in die heutige Zeit ausgeübter Brauch ist das so
genannte »Jaudesbrenna“« (Judasbrennen) am Abend des Karsamstags. Damit sollte
an den Verrat von Judas Ischariot erinnert werden, der Jesus seinen Häschern
ausgeliefert hatte.
In der alten Zeit zogen bereits einige Tage vor Ostern die
Burschen nachts durchs Dorf. Sie suchten das benötigte Brennmaterial zusammen,
das in einer Scheune aufbewahrt wurde. Statt normalem, trockenem Holz,
bevorzugten sie pechiges Stockholz, alte Fassdauben, Schmierfett und Pech. Am
Nachmittag des Karsamstags begannen in aller Heimlichkeit die letzten
Vorbereitungen. An einer fast 10 Meter langen, kräftigen Stange wird das
gesammelte Brennmaterial befestigt. Das Ganze wird dann mit Stroh umwickelt und
zu guter Letzt mit Wagenschmiere und Pech übergossen. Bewundernd stehen dann
alle um den »groaß`n Jaudes“« (großen Judas). Bei einsetzender Dunkelheit wird
der »Jaudes« von kräftigen Fäusten gepackt und unter großem Johlen und Geschrei
an den Platz getragen, an er verbrannt werden soll. Dieser Ort liegt meist auf
einer Anhöhe. So kann man das Feuer in weitem Umkreis sehen. Die Burschen
tanzten zur Musik der Ziehharmonika um den brennenden »Jaudes«, bis er in sich
zusammenfällt. Daraufhin zieht der ganze Haufen zum Wirt, der »Jaudes wird
g`löscht«. Das Judasverbrennen fand in der ganzen Umgebung statt. Und es war
ein beeindruckender Anblick, wenn auf den Hügeln und in allen Himmelsrichtungen
diese Feuer schienen. Vermutlich entspringt dieser Brauch der vorchristlichen
Zeit und es wurde ihm später ein christliches Mäntelchen umgehängt, damit er
von der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit nicht verboten wurde. Die
ursprüngliche Herkunft aus heidnischen Tagen diente dem Vertreiben der bösen
Geister und des Winters.
Heute achten die Burschen hoffentlich darauf, dass sie keine
alte Wagenschmiere mehr verbrennen. In anderen Gegenden im Süden Bayerns
spricht man heute vom Osterfeuer, um mögliche antijüdische Töne zu vermeiden.
Ein weiterer Brauch, dessen Ursprung vermutlich in
vorchristlicher Zeit liegt und mit christlichen Inhalten gefüllt wurde, soll
den Feldern Segen und Fruchtbarkeit bringen. Am Ostersonntag nehmen die Bauern
die am Palmsonntag geweihten Weidenzweige, Holz von dem am Karsamstag bei der
Feuerweihe verkohlten Scheit, Eierschalen von geweihten Ostereiern und bringen
sie auf die Felder. Dort wird dann je ein Zweig, ein Stück gesegnetes Holz und
Eierschalen gelegt. Dann sollte die Ernte gut ausfallen, genügend Regen fallen
und Hagelschlag ferngehalten werden.