Mittwoch, 30. November 2016

Algertshausen


Die Algertshauser Kirche St. Peter und Paul gehört zu den ältesten im Paartal und wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut.

Dienstag, 29. November 2016

29. November 1837

Historischer Tageskalender für das Wittelsbacher Land

Bayern wird in 8 Kreise eingeteilt. Der Oberdonaukreis, zu dem das Wittelsbacher Land damals gehört, tritt das Gebiet rechts des Lechs an den Kreis mit dem neuen Namen Oberbayern ab.
 
 

Montag, 28. November 2016

Der Erdstall „Wichtelenloch“

Unmittelbar neben dem Schloss Mergenthau nördlich von Kissing wurde um 1800 ein verzweigtes Stollensystem entdeckt, das im festen Sand der Lechleite gegraben wurde. Die Anlage trägt die Merkmale eines Erdstalls, wie man sie zahlreich im Raum zwischen den Alpen und den Karpaten findet, Heute vermutet einige Forscher das die Erdställe eine „im entfernten Sinne kultische Bedeutung im Zusammenhang mit frühchristlicher Jenseitsvorstellungen“ hätten. Ich glaube, sie dienten in Kriegszeiten z.B. den Ungarneinfällen als Verstecke, wenn die dörfliche Bevölkerung vor der plündernden und mordenden Soldateska fliehen musste. Einer der sich der Sage nach dort im 18. Jahrhundert versteckt haben soll war der berühmte Räuberhauptmann Matthias Klostermayr, der Boarische Hias (…. das Wittelsbacher Land und seine Räuber! Ja, ja!). 
In der Gegend von Kissing findet man gleich vier derartige Tunnelsysteme. Neben dem „Wichtelenloch“ im „Katzensteig“ sind auch der „Petersberg“, der „Fuchs- oder Eierberg“ und der „Kirchberg“ auf diese Weise untertunnelt.
Der Eingang zum „Wichtelenloch“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verschlossen. Damals spielet man ja noch draußen und was gab es spannenderes für die Kinder und Jugendlichen des Dorfes als so ein Labyrinth zu erkunden. Das so etwas lebensgefährlich wäre, meinten ja nur die Erwachsenen.

Der Erdstall wurde bereits im 19. Jahrhundert wissenschaftlich untersucht, vermessen und aufgezeichnet. Der Eingangstollen ist etwa 60 cm bis 1,10 Meter hoch. Ein eingedrungener Feind konnte sich deshalb nur kriechend oder gebückt vorwärts bewegen. Erst nach ungefähr 15 Meter kann ein kleiner Mensch aufrecht stehen. Die Ganghöhe beträgt hier bis zu 1,76 Meter und ist etwa einen Meter breit. Kurz vor seinem Ende zweigt ein – nochmals etwa 15 Meter langer – Seitengang nach Norden ab. Zwei weitere kurze Seitenstollen hinter dem Eingang enden in kleinen Kammern. In die Seitenwände sind wenige Lichtlöcher eingegraben.

Samstag, 26. November 2016

Die Flucht nach Friedberg

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land


Wer meine Mittelalterkrimis gelesen hat weiß, dass meine Protagonisten der Badermeister Simon Schenk und der Aichacher Stadtbüttel Ludwig Kroiß zweimal vor den Augsburger Häschern über den Lech nach Bayern in Sicherheit entkommen konnten. 


Diesen Weg beschritten auch in der realen Geschichte Augsburger Bürger, die vor dem Rat fliehen mussten. So brachte sich im Jahr 1456 der Handelsherr Hans von Hoy in Friedberg in Sicherheit. Nachdem sein Schiff, beladen mit Gewürzen und anderen Handelswaren unterging, war er auf einen Schlag bankrott. Um seinen Gläubigern und dem Schuldturm zu entgehen floh er nach Bayern. Wenig später musste ihm der Kaufmann Köschinger folgen, der bis zu seinem Tod in Friedberg lebte.

Donnerstag, 24. November 2016

König Max und die arme Witwe von Aichach

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land

Ludwig Hauff erzählt uns in seinem "Volksbuch" von 1864 folgende Anekdote über den bayrischen König Max II, den Vater des „Märchenkönigs“ Ludwig II.
"Eines Tages kam eine ärmlich, aber reinlich gekleidete Witwe aus Aichach nach dem Kloster Andechs und bat bei dem Prior des Klosters, daß er ihre beiden Söhne, die sie nach dem Tode ihres Mannes nicht mehr ernähren könne, in die Skt. Nikolaus-Anstalt daselbst aufnehmen möchte. Zufällig waren gerade mehrere vornehme Herren bei dem Prior anwesend, von denen einer die Frau freundlich über ihre Verhältnisse befragte, ihr Trost zusprach und in Aussicht stellte, daß er nicht nur für die beiden Knaben, sondern auch für sie Sorge tragen werde. Da küsste sie voll dankbarer Rührung dem freundlichen und hochherzigen Herrn die Hand, und fiel ihm zu Füßen, als ihr der Prior bedeutete, der vornehme Herr sei Seine Majestät der König Maximilian II.“

Dienstag, 22. November 2016

Der Schäfflertanz

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land


Bekannt ist der Tanz der Münchner Schäffler, die ihn nachweislich das erste Mal im Jahr 1702 aufführten. Herzog Wilhelm IV gestattete den Münchner Schäfflern das Recht diesen Tanz alle sieben Jahre aufzuführen. Nach 1830 verbreitete sich dieser Brauch durch wandernde Schäfflergesellen im oberbayrischen Raum, so auch im Wittelsbacher Land in Mering und in Aichach. In Aichach als Stadt der Brauereien hatten die Schäffler, die Fässer herstellten und reparierten, ein gutes Auskommen. Heutzutage ist diese Tradition, außer in München, in Vergessenheit geraten.


Vermutlich im 19. Jahrhundert entstand die Legende, der Tanz wäre in München zum Gedenken an die Pestepidemie des Jahres 1517 aufgeführt worden. Diesen Ausbruch der Pest hat es im Jahr 1517 vermutlich nicht gegeben. Den Zünften war aber jeder Grund recht um ein „zünftiges“ Fest zu feiern. Diese ausschweifenden Festivitäten waren der Obrigkeit meist ein Dorn im Auge und so mussten halt fromme oder irgendwelche anderen Gedenktage oder -jahre herhalten.

Das Bild stammt aus dem Jahr 1900 und zeigt die Aichacher Schäffler vor dem Rathaus.

Montag, 21. November 2016

Farbfilm über den Aichacher Kreisparteitag der NSDAP im Jahr 1938 aufgetaucht

Im Frühjahr 1938 fand in Aichach eine große Veranstaltung der NSDAP statt, die mehrere Tage dauerte, Tausende Besucher anlockte und intensiv medial aufbereitet wurde. Ein knapp dreißigminütiger Film, der diesen NSDAP-Kreistag im Bild festhält, wurde dem Stadtmusem Aichach vor einiger Zeit übergeben.

 

Heute am 21.11.16 wird dieses auch bayernweit bedeutende Geschichtsdokument einleitend historisch eingeordnet und anschließend vorgeführt. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr und findet im Aichacher Pfarrzentrum Haus "St. Michael", Schulstraße 8, statt. Der Eintritt ist frei.

Ich glaube es wird voll werden! In dem Link des Beitrags des Bayrischen Rundfunks könnt ihr schon mal Ausschnitte des Films sehen.

http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/abendschau-der-sueden/nsdap-film-aufgetaucht-100.html#&time=

Samstag, 19. November 2016

Drischlzeit

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land


Wenn die Erntezeit vorüber ist, beginnt die Drischlzeit. Vereinzelt wurde in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch die Drischl, der Dreschflegel benutzt. Obwohl auf den meisten Höfen schon Dreschmaschinen in zwei oder drei Tagen, die Arbeit erledigten, für die die Menschen früher zwei, drei oder mehr Wochen benötigten. Von früh morgens um acht bis um sechs Uhr abends ertönte der vier, fünf oder sechsstimmige Gesang der Drischl. Besonders in der vorletzten Woche vor Weihnachten gings zur Sache, denn jeder Bauer setzte sich das Ziel, spätestens am Samstag dieser Woche fertig zu sein. Jeder Tag dieser Woche erhielt einen Namen, die heute leider in Vergessenheit geraten sind. 


 Der Montag hieß „Heb o“, der Dienstag „No bessa dro“, der Mittwoch „Länga“. An diesem Tag wird die Woche geteilt. Nach vollbrachtem Tagwerk versammelte sich das Gesinde in der Stube und der Bauer stiftete zur festlichen Abendmahlzeit ein Fass Bier. Die Knechte und Mägde tanzten hernach, waren fröhlich und guter Dinge. Am Donnerstag wurde dann umso fester zugepackt, deshalb nannte man ihn der „Strenga“. Den Freitag nannten die Bauern „Treaschda“ (Tröster), den bald würde die Woche zu Ende sein. Am Samstag, dem „Alesa“ (Erlöser) sollte alles Korn ausgedroschen sein.
War die Arbeit getan, fand die „Drischelhenk“ statt. Mit dem ausgedroschenen Stroh wurde eine Figur zusammengebunden, welche die Leute auf dem Land „Sau“ oder noch deftiger „Loas“ schimpften. Wenn die letzten Garben ausgebreitet waren, achtete jeder Drescher darauf, dass er nicht den letzten Schlag tat. Meist traf dies Schicksal den Roßbuam oder die Unterdirn, wie immer dies die Älteren einrichteten. Der oder die Ärmste musste jetzt „d Sau“ einem der Nachbarbauern bringen, der noch nicht mit der Arbeit fertig war. Das war gar nicht so leicht und konnte bös ausgehn. Er musste „d Sau“ unbemerkt den noch Dreschenden vor die Füße werfen und dann so schnell abhaun, wie möglich. Gnade Gott, wenn sie ihn erwischt haben. Mit rußigem Gesicht wird er rückwärts auf einen Ochsen gesetzt und zur Gaudi des ganzen Ortes durchs Dorf getrieben. Ein paar Schläge wird der Ärmste dabei sicher auch abbekommen haben. Die Sitten in der alten Zeit waren halt manchmal ein bissal grob.

Freitag, 18. November 2016

18. November 1886

Historischer Tageskalender für das Wittelsbacher Land

 

Erdbeben mit dem Epizentrum in Obergriesbach, die Erschütterungen waren im gesamten bayrischen Voralpenland zu spüren. Es kam zu Schäden im Ort, zum Beispiel wurde die westliche Mauer des Stadels vom Pfarrhof verschoben, wodurch es zu Rissen im gesamten Gebäude kam.

Mittwoch, 16. November 2016

Aichacher Gewerbetreibende im Jahr 1858


Bader: Dr. Knappich, prakt. Arzt, Georg Feistle

Bäcker: Michael Thoma,. Ulrich Hameter, Anna Schmid, Xaver Fürst, Andreas Baumann, Johann Meisinger, Balthasar Baudrexl, Georg Schachinger

Beinringler (Knopfmacher): Augustin Kraus

Bierbräuer: Franz Deuringer, Genoveva Acher, Josef Fackler, Paul Hörhamer, Ignaz Kapfhamer, Friedrich Kapfhamer, Ludwig Kapfhamer, Sebastian Pachmayr, Therese Reithmaier

Bortenmacher: Josef Koppold

Büchsenmacher (stellt Schusswaffen her und repariert sie): Franz Fakler

Buchbinder: Anna Öttl

Bürstenbinder: Karl Jakob

Drechsler: Joseph Spegele, Leonhard Peter

Färber: Joseph Unterauer

Glaser: Ignatz Martin, Josef Deible

Gold- und Silberarbeiter: Ludwig Schramm

Gürtler und Silberarbeiter: Anton Gut

Hafner (Ofenbauer): Mathias Dreier

Hufschmied: Johann Neubaur, Joseph Ludwig, Benedikt Schropp, Georg Neubaur

Hutmacher; Ignatz Thalhofer, Mathias Thalhofer

Kaminkehrer: Joseph Port, Ludwig Mayr

Kirschner: Franz Wanner

Kupferschmied: Joseph Schönberger, Xaver Bauer

Lebzelter (Imker oder Lebkuchenbäcker): August Koch

Loderer und Tuchmacher: Josef Appel, Xaver Appel, Ignatz Ostermayr

Maler: Daniel Sedlmayr

Maurer: Xaver Baumeister, Johann Ilg

Metzger: Mathias Leonhart, Joseph Triebswetter, Joseph Strobl, Franz Kienast, Joseph Manhard, Michael Schmid, Stephan Haslinger

Müller: Franz Beck

Nadler (Drahtzieher): Johann Schildhauer

Nagelschmied: Xaver Geisenhof, Michael Haberstock

Riemer (Lederriemen, Gürtel usw.): Ferdinand Schmidbauer

Rotgerber: Anton Weinmiller, Ferdinand Müller, Joseph Oswald

Sattler: Josef Reitinger, Johann Liebhart, Karl Kögl, Friedrich Römer

Schäffler (Fasshersteller): Paul Schleich, Ignatz Finzinger, Simbert Rieger

Schleifer: Michael Trübswetter

Schlosser: Karl Angerer, Joseph Lungauer, Witwe Agatha Krebs

Schneider: Andreas Diemer, Stephan Wenning, Jakob Schmitt, Anton Schmid, Franz Scheiber, Andreas Knorr, Georg Schmid

Schreiner: Mathias Neumeyr, Johann Settele, Josepha Berger

Schuhmacher: Peter Schormair, Mathäus Erdinger, Xaver Lenz, Leonhard Hillermair, Johann Tränkle, Michael Schöffmann, Michael Drexl, Johann Schmaus, Georg Lobmair, Peter Weigl, Johann Höß, Wiilibald Gerold

Seifensieder: Anton Bierling

Seiler: Joseph Mayr, Ferdinand Blank, Georg Meyr

Siebmacher: Michael Bubenhofer

Spengler: Michael Glaswinkler

Uhrmacher: Franz Fackler, Mathias Koch, Georg Stichaner

Wagner (Wagenbau): Xaver Angermair, Michael Glas, Martin Lindermeyer

Wirte mit Metzgerei: Anton Stumbeck, Thomas Schmid, Thomas Müller

Weißgerber: Johann Resch

Weber: Karoline Zierer, Witwe Schneid, Joseph Widmann

Zinngießer: Johann Babtist Janetti

Zimmermeister: Franziska Lesti


Dienstag, 15. November 2016

Donnerkraut - Das Geheimnis des Juden Typsiles


Ach ja, es dauert immer etwas länger bis ich mitbekomme, dass mein Mittelalterkrimi "Donnerkraut - Das Geheimnis des Juden Typsiles" so eine schöne Rezension erhalten hat und die möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten. Vielen Dank, wer immer W.M. ist.

Montag, 14. November 2016

14. November 1021

Historischer Tageskalender für das Wittelsbacher Land

 
Durch eine Urkunde Kaiser Heinrichs II. wurde Mering im Jahr 1021 erstmals urkundlich erwähnt. Der Kaiser weilte an diesem Tag auf seinem dritten und letzten Kriegszug nach Italien in Mering (Welfenburg) und unterzeichnete dort eine Urkunde zugunsten des Freisinger Klosters. 
 
 

Samstag, 12. November 2016

Das finstere Mittelalter?


Was bedeutete der Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit, mit der Erfindung des Buchdrucks, die Entdeckung Amerikas und die Reformation, für die Menschen des Wittelsbacher Landes?

Meine Romane spielen ja noch im ausklingenden Mittelalter, aber Veränderungen deuten sich bereits an. Die Menschen glaubten noch daran, die Erde wäre eine Scheibe in deren Zentrum sich Jerusalem befindet. Krankheiten, Kriege und Schicksalsschläge wurden als gottgegeben hingenommen. In diesen Verhältnissen mussten sich auch die Bewohner des Wittelsbacher Landes zurechtfinden. Der Ständestaat war Gottes Wille - mit dem Monarchen an der Spitze, unter ihm der Klerus und der Adel und die Basis auf die sich alles stützte der Bauernstand und die Handwerker und Bürger der Städte. Die Veränderungen kamen aus den großen Städten.

Verbrechen oder auch ein Infragestellen dieses Systems wurde für die Angehörigen des 3. Standes mit brutalsten Strafen geahndet. Natürlich war das System aus dem heutigen Blickwinkel betrachtet brutal und ungerecht, aber wie lebten die Menschen in dieser Zeit?

Es gab kriegerische Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Adligen oder auch Kirchenfürsten, die Not und Elend für das Volk brachten. Auf der anderen Seite gab es Gesetze und die Möglichkeit Streitigkeiten auf gerichtlichem Wege auszutragen. Friedensbrecher konnten durch einen Bann des Reiches oder der Kirche außerhalb der Gemeinschaft gestellt werden und verloren dadurch Macht und Einfluss.

Mein Protagonist der Badermeister Simon Schenk nahm am 19. September 1422 als junger Feldscher an der Schlacht bei Alling teil. Von den Siegern wurde diese Schlacht als großer Sieg mit zahllosen Gefallenen und Gefangenen dargestellt. Tatsache scheint jedoch zu sein, dass es sich eher um eine kleinere Auseinandersetzung handelte. Aber um die Heldentaten herauszustreichen wurde eben in allem maßlos übertrieben. Waffen wie der Langbogen und die Armbrust galten als unehrenhaft und nur der ritterliche Kampf als ehrenhaft. Ein weiterer Grund den Gegner am Leben zu lassen, lag in der Gepflogenheit für die Gefangenen Lösegeld zu erpressen. Die Gegner sprachen dieselbe Sprache und ein toter Bauer konnte seinen Acker nicht mehr bestellen, der ja dann eventuell dem Sieger zufiel. Auch die Raubritter hatten ein Interesse daran, dass die Pfeffersäcke mit ihren reichen Warenzügen regelmäßig vorbeikamen.


Das alles änderte sich mit dem Beginn der Neuzeit. Wobei dies ein langsamer Prozess war. Neue Techniken bestimmten Kriegsführung, die Erfindung des Schwarzpulvers und die Söldnerheere ernährten sich aus den Landschaften durch welche sie zogen. Die Religionskriege taten ihr übriges, es gab keinen gemeinsamen Glauben mehr, der die Menschen verband. Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges bis 1945 zahlten die Menschen des Wittelsbacher Landes in zahllosen Kriegen einen hohen Blutzoll, der in diesen 300 Jahren tausenden Bewohnern das Leben kostete. Dazu kamen riesige materielle Verluste durch Plünderungen, Brandschatzungen und Kontributionen an die jeweiligen Besatzungstruppen. Es gibt kaum ein europäisches Volk, dass in dieser Zeit nicht mit seinen Soldaten durchs Wittelsbacher Land gezogen wäre – Schweden, Engländer, Franzosen, Niederländer, Österreicher, ja sogar die Russen. Sie alle zogen ein Spur der Verwüstung und des Elends hinter sich her. Mit dem Elend das mit den Kriegen einherging, breiteten sich natürlich auch Krankheiten und Seuchen aus. Aichach war eine wohlhabende und bedeutende Stadt, die nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges nie mehr den Rang einnahm, den sie vorher besaß.

Die grausamen Hexenverfolgungen, die oft fälschlicherweise dem Mittelalter zugerechnet werden, fanden ihren Höhepunkt im 16. und 17. Jahrhundert und waren nicht typisch für katholische Gebiete, sondern in protestantischen Herrschaften ebenso verbreitet.

Seit nunmehr siebzig Jahren leben die Menschen des Wittelsbacher Landes in Sicherheit und relativem Wohlstand. Darüber sollte man glücklich sein, aber wenn man sich auf eine Zeitreise in unsere Vergangenheit begeben könnte, dann sollte man die vergangenen 600 Jahre doch besser überspringen.


Donnerstag, 10. November 2016

Eine Jetzendorfer Sage

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land


Eine Jetzendorfer Sage aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges aus „Altbayrischer Sagenschatz“


In Jetzendorf ist eine Weibsperson mit ein paar Laib Brot und einem Krug mit Wasser vor den Schweden ins Beinhaus geflüchtet und hat dort so lange ihr Leben gefristet, bis man keinen Laut im Orte mehr gehört hat. Als sie wieder hervorgekrochen, war kein Mensch mehr am Leben, so daß sie unter den Dorflinden sich niedersetzte und ausweinte: „Wär ich doch gleich im Totenhäusl geblieben!“ Endlich findet sie unter den Leichen vor ihrem Zaun den jungen Schmiedesohn, der noch ein wenig atmete, sie brachte ihn zu sich, und von den paar Leuten stammt die ganze Einwohnerschaft ab. 


Dienstag, 8. November 2016

Montag, 7. November 2016

Ein letzter Brief

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land


Ein letzter Brief aus den Weiten Russlands in die bayrische Heimat auf dem Zug Napoleons nach Moskau


In der Pfarrkirche von Tödtenried befindet sich eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:
Ferdinand Asam von Unterhaßlach
b. 3. 1. Inf. Batl.
† d. 30. August 1807 in Polen
Leonhard Asum von Unterhaßlach
b. 7. Rgt. Löwenstein
† d. in Russland 1812

Von Leonhard Asum ist ein letztes Lebenszeichen erhalten geblieben, ein Brief den er an seine Familie in der bayrischen Heimat schrieb. 



An den
Mathias Asum
Bauer in Liechtenberg a. Liechtenberg.
frey bis Posen
da auf die Feldpost
Nro. 112 Napoleon Straße


Wangrowitz den 30. Apprill 1812

Liebe Mutter und Brieder!

Ich hoffe meine wenigen Zeilen werden euch in guter Gesundheit antreffen was mich betrifft bin ich zwar gesund aber in einer schlechten Landschaft nämlich in den elenden Polen wo man nicht im quartier bekömt als das wenige was man aus dem Magazin faßt welches sehr wenig ist, und haben noch schlimmere Zeiten zuhoffen, wier erhielten erst vor etlichen tägen den befehl den 3ten May wieder forwärts bis nach Petergau zu marschieren und alldort über die Weichsel, Paßieren allwo die Russen stehen, wo es weiterhin gehet das weis der almächtige,

Liebste Mutter und Brüder

wer weis ob ich nochmal so glücklich bin euch noch einmal zu sehen, doch ich hoffe es, wen mir der algütige Schöpfer glük und Segen giebt, bettet nur täglich für mich wie ich es auch thun werde, den nieman als Gott wird und kan uns helfen, Neues weis ich sonst nichts zu schreiben weil ich selbsten nicht weis wie es noch gehet, wen ihr den Brief erhaltet so schreibt mir gleich eine Antwort, und etliche Neuigkeiten damit ich auch weis wies in Bayern zu geht, und wen ihr schreibt sosagt es den Isidor Trieb seynen Eltern das sie auch schreiben, dann thut ihr einen Brief in den anderen hinein und legt sie auf die Post dan kosten sie nicht so viel Porto: laßt auch in unsers hergotts Ruh eine heilige Meße lesen das ich wieder glicklich zurük kome den ich bin etlich 300 Stund von euch entfernt. Indessen seyd ihr alle von mir schönstens gegrißt und ich werde zeitlebens verbleiben Euer getreuer Sohn und Bruder
Leonhard Asum
Beym K. b. 7ten Linien infantrie Regiment fürst Löwenstein
Wertheim
der 1. grenadier Compagnie,
so macht ihr auch die Attresse, keine Statt braucht ihr nicht zu bemerken den wir sind alle tage wo anders Ihr schreibt nur darauf meinen Namen das Regiment und die Compagnie. Lebt wohl.


Dies war das letzte Lebenszeichen, dass die Familie von ihrem Sohn erhielt. Ob er im Kampf starb, verhungerte oder erfror wird immer ein Geheimnis bleiben. Von 30000 bayrischen Soldaten, die mit Napoleon nach Russland zogen, kehrten gerade einmal 2000 zu ihren Liebsten zurück.

Samstag, 5. November 2016

Nix als Blödsinn im Schädel...

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land




Im Jahre 1667 nagelte ein Bub einen anderen während der Predigt auf der Kirchenbank der Aichacher Stadtpfarrkirche fest. Zur Strafe wurde der Vater einen Tag und eine Nacht im Bürgerturm (Flunkturm) eingesperrt und der Junge musste drei Stunden im Narrenhäusl absitzen. (Ratsprotokoll der Stadt Aichach)

Donnerstag, 3. November 2016

Der erste Apotheker lässt sich in Aichach nieder


Am 19. August 1667 wird Julius Heiß aus Burghausen beim Rat der Stadt Aichach vorstellig, um seine Zulassung als „Appodeckher“ zu beantragen. Dazu legt er seinen Lehrbrief vor. Er erhält die Erlaubnis sich für ein Jahr auf Wiederruf als Apotheker und Pfahlbürger außerhalb der Stadtmauer niederzulassen. Am „Bathlmätag“ 1668 musste er 1 Gulden 30 Kreutzer Pfahlbürgerrecht bezahlen. (Ratsprotokoll der Stadt Aichach)

Dienstag, 1. November 2016

Das Elend des Krankentransports

Geschichten aus dem Wittelsbacher Land




Den Kirchenbüchern von Altomünster entnehmen wir folgende Begebenheit:

Viktoria Storz, Lumpensammlerin, ledig, gestorben im Krankenhaus am 4. Februar 1872 morgens 5 Uhr. Diese Person wurde von der Heimatgemeinde Adelzhausen bei großer Kälte nur mit durchnäßtem Hemde bekleidet und mit einfachem Bettbezug bedeckt auf einem Ochsenkarren hierher geschafft, so dass sie infolge dieser Behandlung starb. Im richtigen Leben war des halt anders, als ihr es auf dem Bild sehen könnt.